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Artikel29.05.2020

KulturQuartier Schauspielhaus

Wie hunderte Genossenschaftler in Erfurt nachhaltig einen totgeglaubten Kulturort reanimieren

Karina Halbauer

„Komm, mach das Licht an!“ – Unter diesem Motto wollen engagierte KulturQuartierPioniere in Thüringens erster Kulturgenossenschaft das ehemalige Schauspielhaus in Erfurt wieder zum Leuchten bringen. Zwei Dutzend engagierte Erfurterinnen und Erfurter gründeten 2012 einen Verein, um einen leerstehenden Ort mit kreativem Leben zu füllen und zum KulturQuartier zu entwickeln. Über einen kleinen Umweg kamen sie zum seit 2003 leerstehenden Schauspielhaus – ein Ort, der im emotionalen Bewusstsein der Erfurter präsent ist und eine dauerhafte Öffnung und Nutzung verdient. Mit der eigens gegründeten Genossenschaft und mittlerweile hunderten Engagierten soll dieses wieder zu einem pulsierenden Ort der Kunst, Kultur- und Kreativwirtschaft für die gesamte Breite der Gesellschaft werden.

Um dieses umfassende Projekt zu realisieren und zu finanzieren, wurde im November 2016 mit rund 150 Interessierten die Genossenschaft KulturQuartier Schauspielhaus eG gegründet, die mit dem Kauf von der Stadt Erfurt Eigentümerin des Schauspielhauses werden soll. Die Genossenschaft ist eine demokratische Vereinigung von Bürgern, die mit ihrem Engagement und ihrer finanziellen Beteiligung einen unabhängigen Kulturort schaffen wollen und somit ein Vorhaben unterstützen, bei dem nicht die Rendite im Mittelpunkt steht, sondern der kulturelle und soziale – sprich bezahlbare – Nutzen für alle. Genossenschaftliches Handeln mit den Werten Gemeinschaft-lichkeit, Selbstbestimmtheit und Offenheit wird dabei mit dem Ziel verknüpft, ein breites und dauerhaftes Kulturangebot zu schaffen. Neben der ideellen Unterstützung des Projektes hat jedes Mitglied durch die Ausübung des Stimmrechts in der Generalversammlung der Genossenschaft die Möglichkeit, deren inhaltliche Ausrichtung mitzubestimmen. Die KulturQuartier Schauspielhaus eG soll als gemeinnützige Kulturgenossenschaft geführt werden. Der Gemeinnützig-keitsgedanke geht mit dem erklärten Ziel der Genossenschaft konform, für alle Bürger ein offenes Haus für Kunst und Kultur anzubieten. Daher wirkt die bewusst gewählte Rechtsform fördernd zur Erreichung der selbst genannten Ziele und bie-tet vielfältige Möglichkeiten zur Akquise von Fördermitteln (Denkmal, Bau, Kultur, Soziales etc.) und Spenden.Für Kauf und Sanierung des Schauspielhauses werden insge-samt 5,5 Mio. Euro benötigt. Dem Genossenschaftsgedanken folgend, wurde die Aktion 1.000 x 1.000 ins Leben gerufen. Insgesamt sollen 1.000 Anteile à 1.000,- Euro an engagierte Bürgerinnen und Bürger ausgegeben werden (wobei man sich auch Anteile teilen kann), was einem Eigenanteil von einer Mil-lion Euro entspricht. Bis April 2020 lagen bereits gezeichnete Genossenschaftsanteile in einer Gesamthöhe von 864.500,- Euro vor. Unter dem Motto „Gut investieren – Kultur gewinnen“ erklärten sich bisher mehr als 730 Begeisterte bereit, sich aktiv an der Stadtgestaltung und dem Kulturleben in Erfurt in einer Genossenschaft zu beteiligen. Die stetig wachsende Zahl der Mitgliedschaften zeigt, wie groß der Wille zur Unterstützung der Idee eines KulturQuartiers im Schauspielhaus ist.

Der Hintergrund – darum braucht Erfurt ein KulturQuartier

Im Laufe der letzten Jahre hat sich Erfurt als ein wichtiges urbanes Zentrum etabliert. Dies ist durch die Entwicklung einer vielfältigen Mischung aus Dienstleistung und Verwaltung, Industrie und dem Ausbau des Hochschulstandortes mit Universität und Fachhochschule gelungen. Die Landeshauptstadt ist zu Recht stolz darauf, dass rund 70% der Zuziehenden zwischen 18 und 34 Jahre alt sind (Erfurter Statistik. Bevölkerungsprognosen bis 2040). Dies alles ist ein riesiges Potenzial für Erfurt. Um junge Menschen dauerhaft in der Stadt zu halten und den Zuzug-Trend fortzusetzen, müssten jedoch auch mehr Angebote im soziokulturellen Bereich geschaffen werden. Erfurt verfügt zwar über eine wachsende Kreativwirtschaft und bekannte Künstler, allerdings sind die Räume und Orte, in denen sich deren Kreativität entfalten kann, stark begrenzt oder nur temporär nutzbar.

Der vollständige Artikel ist erschienen im vhw Forum Wohnen und Stadtentwicklung und kann hier gelesen werden: https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_publikationen/verbandszeitschrift/FWS/2020/3_2020/FWS_3_20_Halbauer.pdf

 

Abb. 1: KulturQuartier Schauspielhaus (Foto: Antje Danz)

Abb. 2: Historische Aufnahme Saal 1949/50 (Stadtarchiv 6_0_9F2_039)

Abb. 3: KulturQuartier Projektstudie (Quelle: herr schmidt architektur)

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